Schloss Güterfelde: Luxuriöser Landsitz für Bismarcks Bankier

Gerson-von-Bleichroeder

Entsprechend des Zeitgeschmackes ließ Gerson von Bleichroeder Schloss Gütergotz ganz im Stile der Neo-Renaissance umgestalten.
Foto: Gemälde von Emile Wauters (ca. 1888), Wikipedia

Das Bankhaus Bleichröder war aus einer Vertretung für die französischen Privatbankiers Rothschild in Berlin hervorgegangen. Nach dem Tod des Gründers Samuel Bleichröder im Jahr 1855 übernahm sein Sohn Gerson die Leitung der kleinen Bank und baute geschickt und zügig die Geschäftsbeziehungen zu den Rothschilds und anderen europäischen Privatbankiers aus.

Vor allem in Anleihegeschäft erwarb sich das Institut dank der weitsichtigen Geschäftsführung Bleichröders schon bald einen hervorragenden Ruf mit europaweiten Kontakten. Die Bank gehörte nicht nur zu den wichtigsten Finanziers früher Industrie- und Eisenbahnunternehmungen sondern galt auch als erste Adresse für Staatsanleihen. Preußen und Russlands Monarchien besorgten sich über das Geldhaus frisches Kapital für ihre klammen Staatshaushalte und finanzierten über Bleichröder mitunter sogar ihre Waffengänge – wie Preußen seinen erfolgreichen Krieg gegen Österreich im Jahr 1866.

Zu diesem Zeitpunkt war Gerson von Bleichröder bereits zu einem engen Vertrauten von Otto von Bismarck geworden. Bleichröder kümmerte sich nicht nur um die privaten Finanzen des „eisernen Kanzlers“, sondern war auch eng in die Finanzierung politischer Projekte Bismarcks eingebunden. Als Gesandter versorgte Bleichröder den Fürsten nicht nur dank seiner hervorragenden Kontakte zu den wirtschaftlichen und politischen Eliten Europas mit Informationen aus erster Hand sondern überbrachte auch manch heikle Botschaft ,die nicht über die normalen diplomatischen Kanäle geleitet werden konnte.

Ferrières in Brandenburg

Als Gerson von Bleichröder 1873 das Anwesen in Gütergotz erwarb, war er bereits ein gemachter Mann: aus dem kleinen Bankhaus seines Vaters hatte er – nach damaligen Maßstäben – einen Global Player gemacht und war selbst zu einem der reichsten und einflussreichsten Persönlichkeiten Preußens geworden, auch wenn er wegen seiner jüdischen Herkunft so manchen Neider in der sogenannten feinen Gesellschaft hatte.

Zeit seines Lebens waren die Rothschilds, mit denen er privat und geschäftlich eng verbunden war, Bleichröders Vorbild in puncto Lebensstil und gesellschaftlicher Stellung. So verwundert es nicht, dass Bismarcks Bankier sich beim Umbau seiner neuen Immobilie in Gütergotz zu seinem repräsentativen und standesgemäßen Landsitz vor allem von der Architektur des Rothschildschen Schloss Ferrières – einem für die damalige Zeit typischen Mix aus Stilelementen der französichen, deutschen und italienischen Neorenaissance – inspirieren ließ.

Plan-Schlosspark-1873

Plan des von Theodor Nietner ab 1873 nach den Wünschen Bleichröders angelegten Schlossparks. Der Nordpfeil ist übrigens falsch positioniert - er müsste korrekterweise nach rechts zeigen. Quelle: „Schmidtlin´s Gartenbuch“ von 1892

Der zweite Umbau binnen fünf Jahren

Die Glockendächer der beiden neu aufgemauerten Seitentürme, die (angedeuteten) Rundbogenfenster im Hauptgebäude, die Quaderung der Gebäudeecken oder die neu errichtete Loggia auf der Südseite des Schlosses sind Elemente, die sich so oder so ähnlich auch in Ferriéres wiederfinden lassen.

Die auf den ersten Blick markantesten Änderungen, die Bleichröders unbekannter Architekt vornahm, sind neben den bereits erwähnten Seitentürmen und der riesigen Loggia sicherlich die erneute Erhöhung des Hauptturms, der nun selbst den Kirchturm des Dorfes überragte, sowie der Ausbau des Zwischengeschosses zu einem Vollgeschoss und der damit verbundene Umbau des Walmdaches. In die reich verzierten schmiedeeisernen Geländer der Aussichtsplattform auf dem Hauptturm wurde ein überdimensionales geschwungenes „B“ eingelassen. Bis heute ist die Initiale der Familie Bleichröder aus allen vier Himmelsrichtungen weithin sichtbar.

Der neue Eigentümer ließ auch den etwa 25 Hektar großen Schlosspark gemäß der damaligen Gartenmode erneut umgestalten. Der mit dieser Aufgabe betraute Potsdamer Hofgärtner Theodor Nietner Analog zur Architektur des Schlosses ließ der mit der Anlage des Parks beauftragte Potsdamer Hofgärtner bediente sich dabei unterschiedlichster Stile: geometrisch ornamentierte Ziergärten, regelmäßig und unregelmäßig gestalteten Flächen, Springbrunnen und Bassins, Promenaden und klassischer Landschaftsgarten vereinen sich zu einem vielschichtigen Ensemble.

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