Die Nowawes-Spinnerei

Der Potsdamer Stadtteil Babelsberg ist als Film- und Medienstadt weltbekannt. Vor etwas mehr als einhundert Jahren war der Stoff, aus dem dort die Träume waren, noch ganz anders beschaffen. Babelsberg hieß damals noch Nowawes, war eine eigenständige Stadt und eine Textilmetropole. Nicht weniger als dreizehn garn- und stoffproduzierende Großbetriebe gab es im Jahr 1900 in der Stadt.

Die Spinnerei eines Pioniers

Der Grundstein zur rasanten Entwicklung Nowawes vom völlig verarmten Weberdorf zur Industriestadt wurde 1862 im Südwesten des Ortes gelegt. Dort, wo die Nuthe zunächst die Berlin-Magdeburger Eisenbahn unterquert, um dann in einem sanften Bogen gen Westen der Mündung in die Havel entgegenzustreben, begannen die Gebrüder Arntz und Busch mit dem Bau einer Fabrik zur industriellen Verarbeitung von Baumwolle.

Stadtplan von Potsdam um 1900 – Der rote Kreis markiert die Lage der „Arntzschen Baumwollspinnerei“ in Nowawes. Quelle:

Stadtplan von Potsdam um 1900 – Der rote Kreis markiert die Lage der „Arntzschen Baumwollspinnerei“ in Nowawes. Quelle: Wikipedia

Den Standort hatte die Unternehmer mit Bedacht gewählt. Die Residenzstädte Berlin und Potsdam als wichtige Absatzmärkte waren nah, die Verkehrsanbindung günstig, die Bodenpreise niedrig und mit den vielen Nowaweser Webern und Spinnern stand ein riesiges Reservoir relativ gut ausgebildeter Fachkräfte zur Verfügung.

1863 war das massive, zweistöckige Fabrikgebäude fertiggestellt und an der Nuthe ein kleiner Kai mit Verladerampen und Krahn errichtet. Baumwolle und andere Rohstoffe konnten so über Havel und Nuthe per Lastkahn direkt auf das Fabrikgelände geliefert werden. Der Fluss lieferte das nötige Wasser, um die mit Dampf betriebenen Maschinen der Fabrik anzutreiben. Der erste Industriebetrieb des Ortes konnte seine Produktion aufnehmen.

Blick über die Nuthe auf das noch erhaltene Hauptgebäude der Arntzschen Baumwollspinnerei. Foto: Sven Hoch

Blick über die Nuthe auf das noch erhaltene Hauptgebäude der Arntzschen Baumwollspinnerei. Foto: Sven Hoch

Garn- und Tuchmekka an der Nuthe

Für die Nowaweser begann damit eine Zeit fundamentaler Veränderungen. Viele früher arbeitslose oder selbstständige Weber fanden in der jungen Textilindustrie Arbeit. Die Zahl der Hausweber nahm rapide ab, als sich weitere Tuchfabriken wie die Berlin-Neuendorfer Actienspinnerei (1865), die Mechanische Jute- und Dampfwebereei (1866), die Teppichfabrik Hozak (1884), die „Mechanische-Jacquard-Seidenweberei“ 1885 und die Adolf Pitsch AG (1890) etablierten. 1900 waren in Nowawes gerade noch eine Hundertschaft Webermeister registriert, 1870 waren es noch rund 2.000 gewesen. Der Ort wuchs unglaublich schnell. Um ihren immensen Bedarf an Arbeitskräften zu stillen, warben die textilverarbeitenden Unternehmen im ganzen Land Arbeitskräfte an. Die Einwohnerzahl von Nowawes verdreifachte sich nahezu bis zur Jahrhundertwende auf über 11.000 Menschen.

Nowawes Ruf als attraktiver Wirtschaftsstandort festigte sich, als im Gefolge der Textilindustrie eine ganze Reihe vom Unternehmen aus anderen Branchen Niederlassungen und Fertigungsstätten in Nowawes und dem angrenzenden Schwesterort Neuendorf ein. Das 1898 eröffnete Werk des Lokomotivenherstellers Orenstein & Koppel gehört dabei zu den wichtigsten Ansiedlungen.

1911 erwirbt die Berliner Bioskop-Gesellschaft das Gelände gegenüber der Lokomotivfabrik, um dort Studios z bauen und Filme zu drehen. Ein Jahrzehnt später übernimmt die Universal-Film-AG (UfA) die Anlagen, nach dem 2. Weltkrieg produziertw hier die Deutsche Film AG (DEFA). Heute sind es die größten Filmstudios Europas und kreatives Herz der Film- und Medienstadt Babelsberg.

Vom Weberdorf zur Textilmetropole zur Filmstadt – eine unglaubliche Entwicklung, angestoßen von der Baumwollspinnerei der Gebrüder Arntz und Busch. Die hatten ihren Betrieb nach einem Brand (1881) an die Deutsche Jutespinnerei und Weberei AG aus Meißen verkaufen müssen. Die neuen Eigentümer sanierten das Werk und erweiterten es erheblich. Ende der 1920er Jahre stellten die meisten Nowaweser Garn- und Tuchfabrikanten im Zuge der großen Absatzkrise der Textilindustrie ihren Betrieb ein. Auch die Deutsche Jutespinnerei und Weberei Filiale Nowawes schloss damals ihre Pforten.

Obwohl der Zahn der Zeit arg an der im historistischen Stil gehaltenen Fassade genagt hat, wirkt das Hauptgebäude der einstigen Spinnerei auf den ersten Blick noch immer burg- bzw. palastartig. Foto: Sven Hoch

Obwohl der Zahn der Zeit arg an der im historistischen Stil gehaltenen Fassade genagt hat, wirkt das Hauptgebäude der einstigen Spinnerei auf den ersten Blick noch immer wie ein Palast. Foto: Sven Hoch

Wahrzeichen des Jute-Quartiers

Das zentrale Fabrikgebäude der Jutespinnerei und die Arntzsche Fabrikantenvilla sind bis heute erhalten geblieben. Beide stehen als wichtige Zeugnisse der Potsdamer Stadt- und Industriegeschichte unter Denkmalschutz. Die alte Spinnerei wird auch in Zukunft Geschichte schreiben. Sie wird den Kern eines neuen Stadtteils bilden. Auf dem anderthalb Hektar großen Areal rund um die geschichtsträchtige Produktionsstätte entsteht der Jute-Kiez, ein ganz neuer Stadtteil. U.a. sind dort – eingebettet in parkähnliche Gartenanlagen – mehrere Stadtvillen projektiert. Die überwiegend zur Wohnnutzung vorgesehenen Neubauten durchlaufen gerade im Werkstattverfahren die erforderlichen Planungs- und Genehmigungsprozesse.

Die prägnante Silhouette der Arntzsche Spinnerei mit ihren beiden Türmen - hier der östliche - wird zum Wahrzeichen des neuen Stadtviertels. Foto: Sven Hoch

Die prägnante Silhouette der Arntzschen Spinnerei mit ihren beiden Türmen – hier der östliche – wird zum Wahrzeichen des neuen Stadtviertels. Foto: Sven Hoch

Wohnen in der historischen Spinnerei

Das Herz des Jute-Kiezes aber wird zweifellos in der alten Fabrik schlagen. In dem dann kernsanierten und entsprechend umgebauten Gebäude finden 29 Wohnungen ihren Platz. Die meisten davon sind als Maisonetten konzipiert und verfügen entweder über nach Süden ausgerichtete Terrassen oder Dachterrassen. Außenbalkone werden nicht angebracht. So kann das historistische Erscheinungsbild der Klinkerfassade in Anlehnung an das Original von 1895/90 mit seinen Türmen und Zinnen wieder hergestellt werden. Auf die Rekonstruktion des ursprünglich vorhandenen Mittelrisalits wird allerdings verzichtet. Das ist ein wenig schade, denn dieses „vorspringende“ Detail ließ das Gebäude im Zusammenspiel mit dem Turmpaar einst wie ein echter „Fabrikpalast“ aussehen.

Wohnen im Fabrikpalast: Die ehemalige Baumwoll- und Jutespinnerei nach der Sanierung. Visualisierung: Terraplan

Die Südseite der ehemaligen Baumwoll- und Jutespinnerei nach der Sanierung. Das Gebäude wird um einen Staffelgeschoss aufgestockt, dessen in Grau gehaltene Außenwände aus Faserzement-Paneelen sich bewusst vom warmen Ockergelb der Klinkermauen des alten Fabrikgebäudes abheben. Von Dachterrassen und Turmzimmern können die zukünftigen Bewohner einen tollen Blick über den Stadtteil Babelsberg und das Potsdamer Zentrum genießen. Visualisierung: Terraplan

Die Apartments selbst bieten zwischen 67 und 125 Quadratmeter Wohnfläche, die sich auf zwei bis fünf Zimmer verteilen. Doppelt mannshohe Segmentbogenfenster und teilweise wandfüllende Panoramafenster bringen viel Licht und Luft in alle Bereiche und sorgen gemeinsam mit den Galerieebenen für ein weitläufiges Raumgefühl. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt von der Nordseite des Gebäudes. Dort befinden sich auch die Autostellplätze.

Die Haustechnik wird aktuellen Effizienz- und Umweltkriterien entsprechen. Da aus denkmalpflegerischen Gründen eine Außendämmung der Fassade nicht in Frage kommt, werden modernste Innendämmungen verbaut. Ob auch die förderfähigen Standards eines KfW-Energieeffizienzhauses erreicht werden, ist derzeit nach Angaben des Bauträgers noch nicht abschließend geklärt. Die vollständige Fertigstellung des Projekts ist für das Frühjahr 2017 vorgesehen. Weitgehend zeitgleich sollen auch die Arbeiten an den umliegenden Neubauten abgeschlossen sein.

Die bis zu 3,8 Meter hohe Segmentbogenfenster  sorgten einst für genügend Tageslicht in den Produktionshallen der Jutespinnerei. Jetzt bringen sie Sonne und Licht in Hülle und Fülle in die Räume der Apartments. Visualisierung: Terraplan

Die bis zu 3,80 Meter hohen Segmentbogenfenster sorgten einst für genügend Tageslicht in den Produktionshallen der Jutespinnerei. Jetzt lassen sie Sonnestrahlen und frische Brisen in die hintersten Winkel der neu geschaffenen Apartments strömen. Visualisierung: Terraplan

Attraktives Immobilieninvestment mit hoher Denkmal-AfA

Alle Einheiten in der Jutespinnerei werden als Eigentumswohnungen zum Kauf angeboten. Die Kaufpreise bewegen sich zwischen 4.190 und 4.590 Euro / Quadratmeter. Bei Vermietung werden Nettokaltmieten von 9,50 bis 12,00 Euro / Quadratmeter erwartet. Erwerber können voraussichtlich zwischen 52 und 62 Prozent des Kaufpreises als Denkmal-AfA steuerlich geltend machen.

Exposé und weitere Infos zum Projekt

Weitere Informationen zur Nowawes-Spinnerei bzw. zu einzelnen Wohnungen in dem eindrucksvollen Industriedenkmal wie z.B. Exposés, Grundrisse oder Preisliste sind abrufbar.

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