„Staatsempfang“ in Honnis Gästehaus

Seit vielen Jahren hatte der heruntergekommene alte Kasten am Schlosspark in Pankow so etwas nicht mehr erlebt. Im Minutentakt fuhren glänzende schwarze Limousinen vor. Zwischen diese überlangen Automobile mogelten sich immer wieder winzig anmutende gletscherblaue, delfingraue oder taigagrüne Trabanten und verbreiteten dabei ihren typischen Zweitakter-Sound und ihre nicht minder markante Duftmarke. Am Ende der Tschaikowskistraße aber stoppten Edelkarossen und Rennpappen ohne Standesdünkel brav einer nach dem anderen unter dem weit ausladenden Vordach. Dienstbare Geister standen dort bereit, um die Wagentüren zu öffnen und den festlich gekleideten Ankömmlingen beim Aussteigen behilflich zu sein. Am roten Teppich empfing ein Ehrenspalier in blauem FDJ-Outfit die geladenen Gäste und geleitete sie durch ein hell erleuchtetes Portal in die Eingangshalle des Gebäudes.

Alles war so wie früher, als hier regelmäßig die Entourage bedeutender Staatschefs logierte und internationale Delegationen in den Sälen des Hauses ihre Konferenzen abhielten. Fast so wie früher. Denn die vielleicht 250 Gäste an diesem 27. August 2010 waren keine Staatsgäste. Und auch das einst so repräsentative Gästehaus der Regierung der DDR zeigte sich außen wie innen in einem trostlosen Zustand, „Schandfleck von Pankow“ hat es gar eine große Berliner Tageszeitung genannt.

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Dennoch war es ein wichtiger Abend, vor allem eben für dieses marode Bauwerk selbst. Der „Förderverein Schloss und Garten Schönhausen“ hatte zu diesem Empfang geladen, um die Umbau- und Sanierungsmaßnahmen für dieses Haus offiziell vorzustellen. Kaum zu glauben, der Vierstöcker steht nicht nur wegen seiner früheren Funktion unter Denkmalschutz, sondern hat auch architektonisch einiges zu bieten. Viele renommierte Künstler haben 1968 bei seinem Bau mitgewirkt, darunter z.B. der Bildhauer Fritz Kühn, der Maler Walter Womacke und der Glaskünstler Richard Wilhelm.

Einige der damals Mitwirkenden waren an diesem Abend dabei. Gabriele Osburg, die Vorsitzende des Födervereins, begrüßte zahlreiche Ehrengäste, darunter auch die Bundesministerin Sabine Bergmann-Pohl, die 1990 als letzte Präsidentin der DDR-Volkskammer auch mal für kurze Zeit Hausherrin des Gästehauses war. Dann zauberten vier Musiker des Jungen Symphonieorchesters Berlin mit ihren Violinen und Celli eine festliche und erwartungsfrohe Atmosphäre zwischen die graffitibeschmierte Holztäfelung des einstigen Bankettsaals. Der ideale Rahmen für Erik Rossnagel, Geschäftsführer des Nürnberger Bauträgers Terraplan, um sein Projekt „Gästehaus Pankow“ vorzustellen. 39 hochwertige Eigentumswohnungen und ein Büro sollen hier bis Ende 2011 entstehen – in exquisiter Lage direkt am/im Schlosspark Niederschönhausen. Seine 3-D-Simulation zeigt, dass viel Wert darauf gelegt werden soll, den ursprünglichen Charakter des Gebäudes wiederherzustellen. Das gilt für die zahlreichen, im Gebäude installierten Kunstwerke wie auch für die zugehörige weite Parkanlage. Ein anspruchsvolles Projekt. Nicht ohne Reiz, gerade auch für die zukünftigen Bewohner. Denn wer kann schon – wenn er denn möchte – an derselben Ecke seine tägliche Havanna rauchen wie einst Fidel Castro bei seinen Besuchen in (Ost)-Berlin.

Und dann gab es in den mit genialen Lichteffekten ganz in Blau getauchten Hallen von Honnis Gästehaus noch eine echte Premiere zu erleben: zu Udos Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ startete eine rauschende Party, die dank des außergewöhnlichen Ambientes, eines erstklassigen DJs und noch besserer Caipirinhas und „Cuba Libres“ bis weit in den frühen Morgen andauerte.

P.S.: Wer weitere Details zur Sanierung des Gästehauses wissen möchte oder sich für eine der Wohnungen interessiert, kann diese Infos hier anfordern.

Lesetipps und weitere Posts zum ehemaligen Gästehaus der DDR-Regierung in Pankow:
„Ostmoderne im Schlosspark Schönhausen“ – Zur Geschichte und Architektur des ehemaligen Gästehaus der DDR in Pankow
„Auf Du mit Königin und Máximo Líder“ – Das Umbau- und Sanierungskonzeptes für das ehemalige Gästehaus der DDR in Pankow
„Schlossblick und Cubano-Suite“ – Entwürfe, Pläne und Grundrisse zu den Wohnungen im ehemaligen Gästehaus der DDR in Pankow

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