Clay, Kennedy und Kalter Krieg

Kein Durchgang! Betreten verboten! Eine hohe Mauer mit scharfen Metallspitzen auf der steinernen Krone, ein massiver Stahlzaun, schwere Tore, die die Einfahrten blockieren – siebzehn Jahre nachdem die US-Army aus der Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands abzog, ist ihr einstiges Hauptquartier an der Clayallee noch immer hermetisch abgeriegelt. Nähert man sich einem der Zugänge, erscheint fast augenblicklich einer der amerikanischen Wachposten und fragt nach dem Begehr. Wer dann keine Anmeldung und Passierschein vorgelegen kann, wird höflich aber bestimmt wieder weggeschickt.

General Lucius D. Clay. Foto: Wikipedia

General Lucius D. Clay. Foto: Wikipedia

So kommt es, dass das viele Hektar große Areal mitten im noblen Zehlendorf ein geheimnisumwobener Ort geblieben ist. Natürlich wissen die meisten Hauptstädter – vor allem natürlich einstige Westberliner – um die geschichtliche Bedeutung der Anlage: Dass die ehemalige Luftwaffenkaserne nach dem zweiten Weltkrieg bis zur Gründung der Bundesrepublik Sitz der amerikanischen Militärregierung für Deutschland war und danach Residenz des amerikanischen Stadtkommandanten für Berlin, zum Beispiel. Oder dass General Lucius Dubignon Clay in diesen Gebäuden die legendäre Luftbrücke organisierte, die fast ein Jahr lang – von Juni 1948 bis Mai 1949 – das abgeschnittene West-Berlin am Leben erhielt. Vielleicht auch, dass von hier aus die amerikanischen Panzer während des Volksaufstandes in der DDR 1953 und während des Mauerbaus 1961 zur Sektorengrenze rollten. Aber das Innere des Komplexes hat kaum ein Berliner bisher zu sehen bekommen – mit Ausnahme vielleicht der wenigen Personen, die dort als Zivilangestellte für die US-Army arbeiteten.

Wobei: zumindest einen flüchtigen Blick auf einige der schönsten Bauwerke des einstigen US-Hauptquartiers haben schon Millionen werfen können. Seit dem Abzug der Amis dienten sie nämlich zahllosen Film- und Fernsehproduktionen als Kulisse. So brachten in diesen Gemäuern z.B. die „Inglourious Basterds“ Nazis um die Ecke oder versucht ein Frauenversteher wie Vince Flemming, seine Mordfälle gleich in Serie für das Zweite auf kriminalpsychologische Manier zu lösen.

Gedreht wird hier noch immer, bald dürfte jedoch die letzte Klappe fallen. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble soll saniert und zu einem noblen Wohnquartier im Grünen entwickelt werden. (Siehe dazu meinen Post „Dahlemer Diva mit American Spirit“.) Dann wird die so lang „verbotene Stadt“ auch für die Berliner zugänglich – bis auf einen kleinen Bereich an der Clayallee. Dort werden die Amerikaner auch weiterhin die konsularische Abteilung ihrer Botschaft betreiben.

Ich hatte jetzt das große Glück, das Gelände mit meiner Kamera noch in seinem jetzigen, fast unberührten Zustand besichtigen zu können. Hinter den Mauern, Türen und Toren traf ich dabei überall auf Spuren von Clay, Kennedy und kaltem Krieg. Hier nun eine Auswahl der Bilder, die bei diesem Stöbern in kaum verstaubter Berliner Geschichte entstanden sind:

Fotogalerie „Ehemaliges US-Hauptquartier ‚Clay-Headquarters‘ in Dahlem ” – Alle Bilder © 2011 Sven Hoch. – Zum Start auf ein Bild klicken!

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