Schlossblick und Cubano-Suite

Es ist für mich eines der faszinierendsten Denkmalschutz-Projekte der letzten Zeit. Die Sanierung und Umgestaltung des ehemaligen Gästehauses der DDR-Regierung im Schlosspark Schönhausen (Pankow) ist kein Vorhaben wie jedes andere. Da ist die Architektur: wegweisende Moderne statt wie sonst immer nur Gründerzeiteinerlei. Da ist die Kunst: Aluminiumfassade by Fritz Kühn, Wandmalereien by Walter Womacka, Innenarchitektur by Hans Hoßfeld. Da ist die Geschichte: Fidel war hier, auch Gorbi und Honni. Da ist die Lage: direkt im Schlosspark, in Blickweite des Schlosses Schönhausen, alles kaum 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Da ist die Idee: Wohnen im direkten Kontakt mit (Berliner) Geschichte und Preußischem Grün.

Über Geschichte und Architektur dieses Gebäudes habe ich mich ja in einigen Posts zuvor schon ausgelassen. Jetzt habe ich auch ein Blick auf Entwürfe und Grundrisse werfen können. Endlich. Gibt es ein architektonisches Gesamtkonzept? Was für Wohnungen stellt man sich vor? Wie sehen die Planungen undGrundrisse konkret aus?

Fotogalerie „Entwürfe & Grundrisse ehem. Gästehaus der DDR im Schlosspark Schönhausen“ – Alle Bilder © 2010 Terraplan. – Zum Start auf ein Bild klicken!

Es scheinen zwei Dinge zu seinen, von denen sich das Architektenteam um Eric van Geisten und Georg Marfels bei seinen Entwürfen leiten ließ. Erstens: die ursprüngliche, an die klassische Moderne angelehnte hochwertige Architektur dieses Objektes wieder sichtbar zu machen. Zweitens: Licht und Landschaft in das Gebäude fließen zu lassen, so ganz nach dem Credo des austro-amerikanischen Architekturidols Richard Neutra: „Man stelle den Menschen in eine Verbindung mit der Natur, dort hat er sich entwickelt und fühlt sich zuhause.“ Herausgekommen ist dabei eine erstaunlich Vielfalt an Grundrissen und Wohnflächen, an echten „Zuhause(n)“: vom 200-Quadratmeter-Penthouse mit riesigen Dachterassen, zwei- bis vier-Zimmer-Appartements mit Schlossblick bis hin zu lichten Lofts mit genialen Details wie z.B. der Integration des Original-Bartresen aus dem Clubraum des Gästehauses in eine Küche (Diese Wohnung wurde übrigens „Cubano-Suite“ genannt, weil Fidel Castro während seines Staatsbesuches dort seine Zigarren zu paffen pflegte).

Räume für Visionen und Träume
Die flippigsten Wohnungen sind im Erdgeschoss zu finden. Die Architekten nennen sie „International Style-Suiten.“ Was darunter zu verstehen ist? Ein Blick auf die Entwürfe für die Umgestaltung eines der zentralen Räume des Gebäudes kann eine Vorstellung davon geben. Aus dem einstigen großen Speise- und Konferenzsaal soll eine Wohnung werden. Eine außergewöhnliche Suite, in der die einzelne Räume optisch miteinander verschmelzen, verglaste Zwischenwände – wenn nicht durch Vorhände verschlossen – den Blick frei schweifen lassen und so dem Auge die vollen Dimensionen dieses Ortes erschließen, an dem so manches Staatsbankett gefeiert und so mancher Regierungsvertrag ausgehandelt worden ist.

18 Meter ist der Festsaal lang und rund vier Meter hoch. Die Vision der Architekten: Betritt man den weiten Wohnraum, hat man das Gefühl, bereits inmitten des Schlossparks zu stehen. Durch eine die gesamte Raumhöhe einnehmende Glasfassade blickt man hinaus in die Natur. Das Wandbild „Erde, Feuer, Wasser, Luft“ von Womacka und die schattigen Pergolen geben dieser Aussicht einen facettenreichen Rahmen. Fünf Türen führen auf die fast 100 Quadratmeter große Terrasse. Ein von einer Glaswand umrahmter, zweieinhalb Meter hoher Würfel gliedert den Raum. Gäste-Bad, Küche und Abstellraum sind in diesem sogenannten „Funcional Cube“ zusammenfasst. An ihn schließt sich ein Schlafzimmer an. Das andere Schlafzimmer liegt auf der anderen Seite – rechts – des Wohnraums. Es ist raumhoch verglast, mit Vorhängen lässt es sich vom Wohnraum optisch trennen – oder öffnen. Beeindruckend. Ein Stelldichein von Raum, Licht und Landschaft. Ein tolles Ambiente, elegant, modern und loftig zugleich. Ich glaube nicht, dass man so etwas so leicht noch einmal findet in Berlin.

Sonne und Grün
Helligkeit und die Nähe zur Natur machen auch das Flair der Appartements im ersten und zweiten Obergeschoss aus, die je nach Ausrichtung „Schlossblick“- oder „Schönhausen-Suiten“ heißen. Die Aussicht ist aber auch „bonfortionös“ – wie mein Foto unten beweist. Die Wohnungen hier sollen zwischen 60 und 130 Quadratmeter groß und mit einer Deckenhöhe von über 3 Metern angenehm luftig sein. Vor allem der jeweils von verschiedenen Räumen aus zugängliche Wintergarten dürfte meiner Meinung nach zum Lieblingsort der Bewohner werden. Originell: mit einem elektrischen Mechanismus werden Fritz-Kühns Aluminiumplatten quasi zu Fensterläden umfunktioniert. Ich bin mal gespannt, wie das dann „in echt“ aussieht.

Blick vom 2. OG des ehemaligen Appartementhauses für Gäste der Regierung der DDR in den Blick vom ehemaligen Appartementhaus für Gäste der Regierung der DDR in den Schlosspark und auf das Schloss Schönhausen im Berliner Bezirk Pankow.

Blick vom ehemaligen Appartementhaus für Gäste der Regierung der DDR in den Schlosspark und auf das Schloss Schönhausen im Berliner Bezirk Pankow. Foto: Sven Hoch

Eine Klasse für sich sind die großartigen, weitläufigen (150 – 200 Quadratmeter Wohnfläche) Maisonette-Wohnungen, die sich über das dritte Obergeschoss und das aufgesetzte Staffelgeschoss erstrecken. Bei diesen vier- bis sechszimmrigen Domizilen begeistern mich vor allem die großen Dachterrassen. Hier lässt sich das Frühstück im Morgenrot und das Candle-Light-Diner im Sonnenuntergang genießen.

Mein Fazit
Insgesamt ein stimmiges Konzept finde ich, mit Wohnungen für unterschiedliche Geschmäcker – von hipper Modernität bis edlem Understatement – und Platzbedarf. Ende 2011 / Anfang 2012 sollen die ersten Gästehaus-Bewohner einziehen können. Das Objekt ist – darauf habe ich ja schon einmal kurz in einem früheren Post hingewiesen – nicht nur für Selbstnutzer interessant, sondern auch als Sachwertanlage für Kapitalanleger. Denn Pankow scheint ja als Wohnbezirk stetig an Attraktivität zu gewinnen, jüngste Presseberichte in der „Zeit“ (Artikel „Mal eben nach Ost-Berlin“) und dem „Tagesspiegel“ Artikel „Pankow wird der neue Prenzlauer Berg)“ unterstreichen dies. Eine solche Entwicklung würde steigende Mieten bedeuten – nicht unwichtig für Mietrendite und Wiederverkaufswert. Zudem fördert ja der Staat alle Erwerber (Selbstnutzer und Kapitalanleger) mit ganz erheblichen Beträgen, denn etwa zwei Drittel des Kaufpreises können als Sonder-Afa steuerlich geltend gemacht werden. Grund: das Gästehaus steht unter Denkmalschutz.

Infos & Kontakt
Wer weitere Details zur Sanierung des Gästehauses am Schlosspark Schönhausen in Pankow oder zu einzelnen Wohnungen wissen möchte, kann diese Informationen bei der Nova Finis Consulting GmbH, Partner der Terraplan in Berlin, hier direkt per Mail oder telefonisch (030-887062026) anfordern. Natürlich können auch Besichtigungstermine für das Objekt angefragt werden.

Lesetipps und weitere Posts zum ehemaligen Gästehaus der DDR-Regierung in Pankow:
„Ostmoderne im Schlosspark Schönhausen“ – Zur Geschichte und Architektur des ehemaligen Gästehaus der DDR in Pankow
„Auf Du mit Königin und Máximo Líder“ – Das Umbau- und Sanierungskonzeptes für das ehemalige Gästehaus der DDR in Pankow
„Staatsempfang in Honnis Gästehaus“ – Empfang zur Präsentation des Umbau- und Sanierungskonzeptes für das ehemalige Gästehaus der DDR in Pankow

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